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Die Wahrheit über Rente und Altersarmut
Gewerkschaften und Politiker wie Jürgen Rüttgers warnen vor zukünftiger Altersarmut und fordern ein staatliches Eingreifen. Doch ob es bald wirklich mehr arme Rentner gibt, ist umstritten. WELT ONLINE gibt einen Überblick über die Zahlen und Hintergründe der Debatte.
Millionen von Menschen sind in Zukunft von Altersarmut bedroht. Diese Auffassung vertreten jedenfalls der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU). Damit Rentner im Alter nicht auf staatliche Sozialleistungen angewiesen sind, obwohl sie lange in die Rentenkasse eingezahlt haben, hat Rüttgers seine umstrittenen Vorschläge für eine Mindestrente gemacht. Die Arbeitgebervereinigung BDA bezeichnet sie dagegen als untauglich. Es gebe außerdem keine zunehmende Altersarmut.
Das von Rüttgers beschriebene Problem von Minirenten trotz langer Beitragsdauer entsteht, wenn die eingezahlten Beiträge so gering sind, dass daraus am Ende keine Rente entsteht, die höher ist als die staatliche Grundsicherung – also höher als 347 Euro pro Monat plus Miete und Nebenkosten (insgesamt rund 640 Euro). Noch aber gibt es nicht sehr viele Menschen, die davon betroffen sind. Nach Angaben des Sozialministeriums in Nordrhein-Westfalen bekommen in Deutschland derzeit insgesamt 371.000 Menschen diese Grundsicherung im Alter.
„Es stimmt, dass dies zurzeit kein großes Problem ist“, sagt ein Ministeriumssprecher in Düsseldorf. Es gehe Rüttgers und seinem Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU) darum, einer künftig erwarteten Entwicklung vorzubeugen. Die Rente zeichne mit zeitlichem Abstand die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt nach, und dort entstünden zurzeit immer mehr Jobs mit niedrigem Einkommen. Wer jetzt schon wenig Geld verdiene, bekomme im Alter eine noch geringere Rente, sagte der Sprecher.
Wie viele Rentner in Zukunft tatsächlich eine Minirente bekommen, kann oder will die Düsseldorfer Landesregierung nicht sagen. Laut DGB droht sechs Millionen Menschen Altersarmut. Betroffen seien drei Problemgruppen: 1,3 Millionen Langzeitarbeitslose, fast drei Millionen Geringverdiener und zwei Millionen Selbstständige, die wegen geringer Einnahmen nicht für das Alter vorsorgen können. „Altersarmut wird für einen wachsenden Teil der Bevölkerung zu einem existenziellen Problem“, warnt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach.
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Quelle: Welt-online
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