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Fabriken mit Schnittmustern überfordert - Rückkehr nach Deutschland - Andere Spielzeugfirmen könnten folgen
Köln - Dass deutsche Unternehmen ihre Produktion aus Kostengründen nach China verlagern, ist gang und gäbe. Doch billig ist offenbar nicht alles. Und so geht der Stofftierhersteller Steiff nun den umgekehrten Weg und holt seine ausgelagerte Produktion bis 2010 schrittweise an den Standort Deutschland zurück. Grund dafür sind anhaltende Qualitätsprobleme und zu lange Transportzeiten. "Für Premiumprodukte ist China einfach nicht kalkulierbar", sagte Firmenchef Martin Frechen den "Stuttgarter Nachrichten". Vor allem für Kuscheltiere mit komplizierten Schnitten sei die Vergabe an chinesische Fremdfirmen nicht geeignet, meint der Manager.
Steiff wird daher keine Ausnahme bleiben, vermutet der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie (DVSI). "Wir werden weitere Rückverlagerungen sehen, denn die Qualitätsprobleme haben auch andere Hersteller, insbesondere im Hochpreissegment", sagte ein Sprecher der WELT. 2007 kamen laut DVSI mehr als drei Viertel der bundesweit verkauften Puppen, Modellautos und Plüschtiere aus China. Der Importwert der Waren aus Fernost liegt mittlerweile bei rund 1,8 Mrd. Euro. Die Verlagerungen nach China sind dem hohen Kostendruck geschuldet, der in der Spielwarenindustrie vorherrscht. "Preiserhöhungen sind zwar nötig, derzeit aber nur begrenzt durchsetzbar", sagt zum Beispiel Karsten Schmidt, Vorstandssprecher beim Traditionsunternehmen Ravensburger. Zumal Spielzeug in Deutschland schon jetzt deutlich teurer sei als in anderen Ländern.
Zuletzt allerdings standen Spielwaren aus China mehrfach wegen Gesundheitsgefahren in den Schlagzeilen. Für Steiff war das offenbar der letzte Anstoß für die Rückverlagerung, wenngleich das Unternehmen nach eigenen Angaben selbst nicht mit Schadstoffbelastungen zu kämpfen hatte. "Qualität zählt für Steiff mehr als Kostenersparnis", begründete Firmenchef Frechen nun den Rückzug. Und sein Unternehmen sei schließlich in der glücklichen Lage, dass die Kunden für einen Steiff-Teddy gern ein paar Euro mehr bezahlen als für ein Kuscheltier der Konkurrenz. Einen Komplett-Rückzug aus China soll es dagegen nicht geben: Mit dem Vertrieb will das Unternehmen auch künftig dort präsent bleiben. "Das ist für uns ein wichtiger Markt", sagte eine Sprecherin.
2004 hatte das baden-württembergische Traditionsunternehmen begonnen, aus Kostengründen in China zu bestellen. Damals befand sich der 1880 gegründete Familienbetrieb in einer schweren Krise und musste Kosten einsparen. Zuletzt kam rund ein Fünftel der Jahresproduktion aus dem Schwellenland. Zufrieden mit den Ergebnissen war Steiff nie. Dabei seien regelmäßig Mitarbeiter vom Stammsitz in Giengen nach China geschickt, sehr detaillierte Vorgaben gemacht und regelmäßig Materialproben genommen worden, berichtete Frechen. Denn sitzt etwa ein Glasauge nur wenige Millimeter schief, wird aus dem treuherzigen Blick des Teddybären schnell ein doofes Starren. Um das exakt hinzubekommen, braucht man ein halbes Jahr Einarbeitungszeit, erklärt Steiff-Chef Frechen. "Da können die Leute aber schon wieder weg sein, weil eine Autofabrik nebenan ein wenig mehr zahlt."
Als weiteres Ärgernis kamen lange Lieferzeiten hinzu. So waren die Kuscheltiere mit dem Knopf im Ohr per Schiff oftmals zwischen zwei und drei Monate unterwegs - eine zu lange Wartezeit für Verkaufserfolge wie die Plüschversion des Eisbären Knut, die binnen weniger Monate 80 000 Mal bestellt worden war. "Heute muss man auf Markttrends schnell und flexibel reagieren können", sagt Martin Frechen.
Quelle: Welt online
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