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Warum Silvana Koch-Mehrin so unbeliebt ist
15 Kandidaten bemühten sich um die Stellvertreterposten des Parlamentspräsidenten. Auch Silvana Koch-Mehrin. Doch das EU-Parlament strafte die Politikerin ab, ließ sie drei Wahlgänge lang zappeln. Ist der Groll vieler Europaparlamentarier auf die FDP-Frau berechtigt?
Der Dienstagabend im EU-Parlament sollte ein langer Abend werden, viel länger als erwartet. Vor allem für Silvana Koch-Mehrin. 15 Kandidaten hatten sich um die 14 Stellvertreterposten von Parlamentspräsident Jerzy Buzek beworben. Kurz nach 16 Uhr wurde dann wahr, worüber schon den ganzen Tag auf den Straßburger Fluren getuschelt worden war: Die strahlende Frontfrau der FDP in Brüssel, die einen der Vize-Jobs wollte, bekam von den Parlamentskollegen eine Ohrfeige.
Koch-Mehrin landete mit Abstand auf dem letzten Platz, mehr als 40 Stimmen hinter dem durch seine rechtsradikalen und schwulenfeindlichen Parolen aufgefallenen Polen Tomasz Kaminski. Auch der zweite Wahlgang sah die 38-Jährige auf Rang 15, erst in der letzten Runde schob sie sich mit zwölf Stimmen vor Kaminski.
"Einige Wahlverlierer in Union und SPD haben versucht, gezielt Stimmung gegen mich zu machen“, sagt Koch-Mehrin WELT ONLINE. "Im letzten Wahlgang hat aber die Vernunft gesiegt.“ Das mag zutreffen. Aber grundsätzlich ist sie für viele in Brüssel ein rotes Tuch. Was sind die Gründe, dass die blonde Deutsche, deren Partei aus den Europawahlen im Juni als große Gewinnerin hervorging, in den Parlamentsreihen so wenig Freunde findet? Neid, sagen jene, die sie unterstützen. Manche Parlamentarier treibe Missgunst, weil die ganz große Mehrheit von ihnen im Gegensatz zu der eloquenten Kölnerin auf Bundesebene unbekannt ist.
Der Oberflächlichkeit beschuldigen sie ihre Gegner. Dass sie Themen verkaufe, die beim Publikum gut ankommen, sich aber weder um die Richtigkeit noch um die Auswirkungen ihrer Argumentation schere. Beispiel: Ein Interview im vergangenen November, in dem sie Abgeordneten vorwarf, die Sitzungswochen in Straßburg mit einem „Ausflug ins Landschulheim“ zu verwechseln. Sie verhielten sich „nach dem Motto: Hier kennt mich keiner, hier kann ich machen, was ich will.“ Und weiter: „Wer im Parlament etwa Zwangsprostitution verurteilt, muss sich vor dem Ausgang auch entsprechend verhalten, sonst leiden die Glaubwürdigkeit und die Würde des ganzen Hauses.“
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Quelle: Welt online
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